Als ersten Freiluftkick im neuen Jahr hatten sich Andreas, Holgi und ich uns die Oberliga-Nordost Begegnung zwischen dem SV Dessau 05 und dem traditionsreichen FSV Zwickau rausgesucht. Wieder einmal ein typisch-trauriges Beispiel für den deprimierenden Fußball-Alltag einiger abgestürzter Ost-Vereine. Zwickau hat in den 70ern immerhin mal im Europacup-Halfinale gespielt. Unsere Anreise dauerte wesentlich kürzer als kalkuliert, und so blieb in Dessau sogar noch Zeit für einen kurzen Abstecher zum Bauhaus-Komplex, womit die Kulturquote für diesen Trip auch wieder erfüllt war.
Nun aber zurück zum Anliegen der Fahrt: Bei strahlendem Sonnenschein und klirrender Kälte erreichten wir das Stadion Schillerpark, welches wir auch gleich ausführlich erkundeten. Eingekreist von Kleingarten-Lauben bieten das Stadion neu ausgebaute Stufen und eine schmucke kleine Haupttribüne, wobei auch auf dieser zwischen gewöhnlichem Pöbel und „VIPs“ unterschieden wird. In der einen Kurve wurden neue Zäune eingebaut, damit auch „Risikospiele“ (wozu heutiges gehörte) hier ausgetragen werden können und weitere Zwangsumzüge in das Paul-Greifzu-Stadion vermieden werden können.
Der Anhang der Gäste aus Zwickau bestand aus gut 50 Leutchen, von denen sich ein Großteil der Zeit bis zum Anpfiff auf dem Kunstrasen-Nebenplatz mit wilden Umhergekicke vertrieb.
Schließlich wurde das Spiel angepfiffen und eine ereignislose erste Spielhälfte verging leider nur quälend langsam. Der Kick bot so wenig Abwechslung und Ablenkung, dass man leider irgendwann nur noch damit beschäftigt war, nicht zu erfrieren. Das Spiel konnte einen jedenfalls nicht erwärmen.
Das dachte sich wohl auch der Zwickauer Anhang und versuchte zu Beginn der zweiten Spielhälfte, die Kälte mit Rauch und Bengalos zu vertreiben. Der Rauch war eigentlich gar nicht so störend, da in den umliegenden Gartenvereinen ohnehin vor jeder zweiten Laube ein Haufen Laub brannte (dem Geruch nach manchmal aber auch ganz andere Sachen). Dem sehr unterhaltsamen Stadionsprecher wurde es nun aber zuviel, und er bat die Zwickauer, doch bitte das Zündeln zu lassen und lieber ein Lied zu singen. „Das würde doch auch viel mehr Spaß machen“. Klasse der Mann!
Auch der zweite Spielabschnitt blieb torlos und bis auf ein oder zwei Szenen unspektakulär, woraufhin wir uns nach dem Abpfiff völlig durchgefroren zu meiner Karre begaben. Gegen 18 Uhr waren wir wieder in Braunschweig wo man sich kurze Zeit später wieder bei Holgi traf, der zu Bier und Chili geladen hatte.